LWL-Museum für Archäologie Herne

Die Geschichte der Pest und ihre globalen Auswirkungen

Von der Steinzeit über die Spätantike, vom ‚Schwarzen Tod‘ des Mittelalters bis zum jüngsten Ausbruch auf Madagaskar: Die Pest ist eine Seuche, die die Menschheit durch alle Epochen ihrer Geschichte begleitete und zu tiefgreifenden Veränderungen in der Gesellschaft führte. Rund um den Globus forderte sie Millionen Opfer, doch ist sie kein Schrecken der Vergangenheit – sie existiert noch heute.

Ikone "Lindere meinen Kummer": Pestkranke und deren Angehörige riefen die Gottesmutter um Beistand und Trost in ihrer Zeit der Not an. (Bild: Ikonenmuseum Recklinghausen)

Was ist die Pest? Wo liegen die ältesten Nachweise? Wie sind überlieferte Ausbrüche zu werten?
Mit diesen Fragestellungen beginnt die Reise durch die faszinierende und dramatische Geschichte dieser Krankheit. Sie führt über den ersten gut überlieferten Ausbruch im 6. Jahrhundert n. Chr. zunächst bis zum berüchtigten ‚Schwarzen Tod‘, dem ein großer Teil der europäischen Bevölkerung im 14. Jahrhundert zum Opfer fiel. Über die nächsten Jahrhunderte war die Pest ein stetiger Begleiter der Menschen. Sie suchte jede Gerneration unbarmherzig heim. Aus der völlig unerwarteten Katastrophe war nun eine ständige Bedrohung geworden, die jederzeit tödliche Wirklichkeit werden konnte. Vom Wandel der Voraussetzungen unabhängig drängen sich grundsätzliche Fragen auf: Wie gingen die Menschen mit dieser Gefahr um? Was taten Ärzte, Politiker und Geistliche im Angesicht dieser existenziellen Krise? Und: Welche Auswirkungen hatte die Seuche auf Religion, Wirtschaft, Kunst und Gesellschaft?

Im 18. Jahrhundert verschwand die Pest weitgehend aus Europa, um kurz vor 1900 ein weiteres Mal weltweit Angst und Schrecken zu verbreiten. Auch heute ist das tödliche Potenzial der Krankheit noch immer vorhanden, wie der jüngste, vergleichsweise glimpflich verlaufene Ausbruch 2017 auf Madagaskar gezeigt hat. Die Bewältigungsstrategien haben sich allerdings mittlerweile grundsätzlich verändert …

Die Sonderausstellung „Pest!“ präsentiert anhand von ca. 300 archäologischen und kulturgeschichtlichen Exponaten etwa aus London, Hongkong, und Marseille, aber auch aus Köln, Münster und Herne die faszinierende Geschichte der Pest und ihre Folgen.

Folgendes erwartet die Besucher und Besucherinnen auf 800 qm Ausstellungsfläche:

Grabstein vom Pestfriedhof bei Leiberg: Der Pestfriedhof bei Leiberg ist ein westfälisches Beispiel für einen speziell im Angesicht der Pest angelegten „Notfriedhof“. Im Jahr 1635 wurde das Paderborner Land schwer von der Seuche getroffen, so dass in Leiberg 400 Personen in einem Massengrab beigesetzt werden mussten. Der abgebildete Gedenkstein erinnert an dieses Ereignis. (Bild: LWL, Stefan Leenen)

Gezeigt werden rund 300 archäologische und kulturgeschichtliche Exponate, über 200 Abbildungen und Grafiken, 11 pädagogische Stationen und 1 Medienstation „Dr. Berner erklärt“, 3 Filme rund um die PEST. Die Ausstellung gliedert sich in 11 Themenbereiche: von der Archäogenetik über 3.000 Jahre Pest-Geschichte bis zur modernen Wahrnehmung der Seuche.

Der Faktencheck:

Das kleinste Objekt: Pest-Bakterium „Yersinia Pestis“ unter dem Mikroskop.

Das größte Objekt: Anker der „Grand Saint Antoine“ aus Marseille, die die Pest 1720 nach Frankreich brachte.

Kuriose Exponate: Rattenkönig, Pestbeulen, Schwarzer Hahn, Lockenwickler 

40 Kunstobjekte: Gemälde, Amulette, Ikonen, Skulpturen und Buchkunst

Das Objekt mit der längsten Anreise: 8.779,79 km hat ein Amulett aus China zurückgelegt.

„Raum der Erinnerungen“ widmet sich dem heutigen Umgang mit der PEST und stellt aktuelle Bezüge her, wie Spiele rund um die Seuche, zeitgenössische Musik etc.

10 x 4 m große Leuchtwand mit „Totentanz“-Installation, gestaltet durch die Künstlerin Claudia Pomowski